Der Rapha-Leitfaden für Radtrikots und Radbekleidung aus Merinowolle
Um zu verstehen, warum Merinowolle das ideale Material für den Radsport ist, muss man sie unter das Mikroskop nehmen. Minderwertige Wolle ist gröber und passt sich den Körperbewegungen kaum an, was vor allem in der Bewegung zu Hautreizungen und Juckreiz führt. Rapha bezieht erstklassige, ethisch verarbeitete Merinowolle mit einer ultrafeinen Mikronzahl. Für unsere Trikotkollektionen Classic und Brevet verwenden wir eine außergewöhnlich feine Wollfaser von 17.5 Mikron, während unsere Merino-Funktionsunterwäsche, Socken und Wärmer einen Durchmesser von 18.5 Mikron aufweisen. Beide Spezifikationen fallen streng unter die weltweit anerkannte Klassifizierung für superfeine Wolle (15 bis 19 Mikron). Da diese Fasern so extrem dünn sind, verhindern sie jegliche Hautreizungen komplett und bieten gleichzeitig einen seidenweichen Tragekomfort direkt auf der Haut.
Obwohl reine, 100%ige Merinowolle eine erstklassige Thermoregulation und hautnahen Komfort bietet, stößt sie bei der Verarbeitung zu technischer Radbekleidung an mechanische Grenzen. Reine Wollfasern besitzen eine geringere Zugfestigkeit und Elastizität als moderne Synthetikfasern. Unter den vertikalen Belastungen beim Radfahren würde ein Trikot aus 100 % reiner Wolle unweigerlich durchhängen, ausleiern und am Rücken nach unten gezogen werden, sobald die Taschen mit Ersatzteilen und Verpflegung beladen sind.
Rapha Performance Merino (RPM 150) – ein eigens entwickeltes Material, das hochwertige Wolle mit recyceltem Polyester verbindet – wirkt dem entgegen. Dieses Gewebe gibt Fahrern das Vertrauen, lange, herausfordernde Tage im Sattel unter verschiedensten Bedingungen zu meistern, ohne auf eine sportlich-komfortable Passform verzichten zu müssen.
Dieses hochergonomische und strapazierfähige Gestrick, das in unseren Classic- und Brevet-Trikots zum Einsatz kommt, ist so aufgebaut, dass die Garnzusammensetzung strategisch auf zwei Seiten aufgeteilt ist:
Skin-Side Engineering (Innenseite): Die Merinowolle ist überwiegend auf der Innenseite des Materials verwebt. Dadurch wird sichergestellt, dass nur die weichen, hypoallergenen 17.5-Mikron-Fasern mit der Haut des Fahrers in Berührung kommen, was die Thermoregulation und den Komfort maximiert.
Air-Side Engineering (Außenseite): Das recycelte kationische Polyester ist auf der Außenseite eingearbeitet. Dieser synthetische Schutzschild erhöht die Zugfestigkeit des Materials drastisch und sorgt für stabile Taschen, Formbeständigkeit und extrem verkürzte Trocknungszeiten, da Feuchtigkeit effizient vom Körper an die Oberfläche geleitet wird.
Wärmer und Funktionsunterwäsche: Für unsere übrige Merino-Radbekleidung, insbesondere für unsere Base Layer sowie Arm-, Knie- und Beinlinge, verwenden wir eine superfeine 18.5-Mikron BetaSpun-Wolle.
Anstatt Woll- und Synthetikfasern herkömmlich miteinander zu verzwirnen, werden beim BetaSpun-Verfahren hochfeste Synthetikfilamente um einen Kern aus reiner Merinowolle gewickelt. Diese fortschrittliche Konstruktion verbessert die Abriebfestigkeit des Kleidungsstücks enorm, stärkt die Gesamtstruktur und reduziert Knötchenbildung (Pilling) durch die ständige Reibung von Bib-Short-Trägern und Außenschichten erheblich.
Langzeitaufbewahrung
Damit deine Merino-Radbekleidung über viele Saisons hinweg ihre erstklassige Funktion behält, muss sich die Pflege nach der Ausfahrt auch auf die Art der Aufbewahrung erstrecken.
Anstatt deine Ausrüstung nach jedem Gebrauch zu waschen, hänge die Wollkleidungsstücke auf, damit sie an der Luft natürlich auslüften können. Um kleinere Flecken punktuell zu reinigen, tupfe den Rand des Flecks mit einem Tuch ab, das in einer verdünnten Wollwaschmittellösung eingeweicht wurde, und sauge die Feuchtigkeit anschließend vorsichtig mit einem saugfähigen Handtuch auf.
Hänge deine Merino-Trikots oder Base Layer niemals über längere Zeit auf herkömmliche Kleiderbügel. Bei monatelanger Lagerung wirkt sich die Schwerkraft auf das Gewicht des Materials aus, wodurch die Schulterpartien überdehnt werden und die fahrradspezifische, anatomische Passform eines Premium-Merinotrikots dauerhaft verformt wird.
Achte stattdessen darauf, dass das Kleidungsstück vollständig trocken ist, falte es ordentlich zusammen und lagere es flach in einer kühlen, trockenen Kommode oder Schublade. Wenn du im Winter auf den Rollentrainer umsteigst und deine Merino-Radbekleidung einige Monate lang nicht trägst, empfiehlt es sich, die Kleidungsstücke in Schutzbeuteln aufzubewahren oder ein Zedernholzstück als natürliche Alternative zu chemischen Mottenkugeln zu verwenden.
Umgang mit Knötchenbildung (Pilling)
Pilling an der Oberfläche ist eine natürliche Eigenschaft jeder superfeinen, kurzstapeligen Naturfaser und kein Zeichen für ein fehlerhaftes Textil. Wenn die kurzen Faserenden durch Reibung an die Oberfläche des Gewebes gelangen – wie beispielsweise durch das ständige Reiben eines Trinkrucksacks, einer Windweste mit Reißverschluss oder des Riemens einer Satteltasche –, verzwirnen sie sich zu winzigen Kügelchen oder „Pills“.
Um den weichen Griff und das technische Finish des Kleidungsstücks wiederherzustellen, sollten diese Knötchen niemals von Hand abgerissen oder abgezogen werden. Dadurch werden nur weitere Fasern aus dem Garnkern herausgezogen, was die zukünftige Knötchenbildung beschleunigt. Verwende stattdessen einen speziellen Fusselkam oder einen elektrischen Fusselrasierer, um die Knötchen sauber von der Oberfläche zu entfernen und die glatte, funktionelle Außenseite des Hybridgewebes aufzufrischen.